Drucken Versenden
Beruflicher Neustart in der Pflege

"Jetzt tue ich was für mich!"

Kreis Höxter (ozm) - Als Mutter von drei Jungs jahrelang aus dem Beruf und unqualifizierte Jobs ohne Perspektive - so ging es Michaela Beuke (46) aus Steinheim. Die gelernte Einzelhandelskauffrau jobbte als Servicekraft im Café, bis ihr eine Eingebung kam: Quereinstieg in die Pflege.

Bild anzeigen

"Einen besseren Job hätten wir nicht treffen können." Peter Siebert (51) aus Lauenförde, Michaela Beuke (46, 2. v. l.) aus Steinheim und Gudrun Rochell (54, rechts) aus Siddessen sind glücklich über ihren beruflichen Neustart. Ute Pägel, Leiterin des Bildungszentrums Weser-Egge, hat die Weiterbildung zum "Assistenten in der Pflege" entwickelt.

© Foto: KHWE

Sie macht einen Termin beim Arbeitsamt, nimmt Flyer von Qualifizierungsangeboten mit. Eine Woche später beginnt ihr Praktikum im St. Rochus Krankenhaus Steinheim, die Voraussetzung für die Teilnahme an der Weiterbildung "Assistent/in in der Pflege" (AssiP) am Bildungszentrum Weser-Egge. "Ich habe nicht lange überlegt. Es war klar, dass ein Weg zurück in den alten Beruf nicht in Frage kommt und ich wollte jetzt etwas ganz für mich tun."
Dieser Schritt erweist sich für Michaela Beuke als Volltreffer. Nach dem Kurs, der zwei weitere Pflegepraktika im Kranken- und Seniorenhaus beinhaltet, weiß sie: Krankenpflege ist genau mein Ding.
Das Konzept für die halbjährige Qualifizierungsmaßnahme AssiP, die zur Grundpflege und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten befähigt, hat Ute Pägel, Leiterin des Bildungszentrums, entwickelt. "Der Kurs integriert außerdem die staatliche Weiterbildung zur Betreuungskraft. Ich kann also nach dem Kurs entscheiden, ob ich in der Betreuung oder in der Pflege am Patienten arbeiten will."
Michaela Beuke geht sogar noch einen Schritt weiter und beginnt nach der AssiP-Weiterbildung eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Als Fachkraft darf sie dann auch medizinische Aufgaben übernehmen, Medikamente stellen oder Infusionen legen.
Einen ähnlichen Senkrechtstart legt Gudrun Rochell aus Siddessen hin. Als zweifache Mutter ist sie gut zehn Jahre lang für einen Verpackungsservice tätig, in der sogenannten "Hausfrauenschicht". Nach der Insolvenz des Unternehmens stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Ein privater Schicksalsschlag bringt die heute 54-Jährige mit der Pflege in Kontakt. "Ich habe meine krebskranke Schwester bei diversen Krankenhausaufenthalten begleitet und nicht immer schöne Erfahrungen gemacht. Da dachte ich mir: Das würde ich anders machen."
Beim Arbeitsamt wird Gudrun Rochell der AssiP-Kurs sofort bewilligt, zwei Wochen später geht's los: "Das Arbeiten war einfach nur toll! Ich habe so viel Anerkennung bekommen! Bestimmt dreimal schon hat man mich den Engel der Station genannt."
Im Seniorenhaus will man Gudrun Rochell gar nicht wieder gehen lassen, aber ihr Herz schlägt noch ein bisschen mehr für die Krankenpflege. Heute arbeitet sie in der Klinik für Unfallchirurgie in Brakel.
Dass gerade ältere Neueinsteiger beliebt sind bei Patienten, weiß auch Schulleiterin Ute Pägel. "Sie bringen eine ganz besondere Qualität in die Arbeit rein, sind engagiert, haben viel Lebenserfahrung und strahlen Sicherheit aus."
Einen kompletten Neuanfang wagt vor fünf Jahren auch Peter Siebert aus Lauenförde. Er ist gelernter Industriekaufmann. Als er bei einer Freundin den Quereinstieg in die Pflege miterlebt, orientiert er sich neu. "Das war zwar ein enormer finanzieller Einschnitt, aber die Zufriedenheit ist wichtiger: Zahlen und Buchhaltung waren einfach nicht mehr mein Leben."
Peter Siebert ist 51 und geht heute jeden Tag gerne als Betreuungskraft ins Seniorenhaus St. Johannes Baptist in Beverungen. "Wie ein Lehrer bereite ich die Tage vor und überlege mir Tätigkeiten für die Bewohner." Biographiearbeit spielt für demenziell erkrankte Patienten eine große Rolle, denn die Konfrontation mit gewohnten Dingen wie Handarbeiten oder Schlagermusik aktiviert die Bewohner. "Man sieht richtig, wie das Leben wiederkommt. Menschen, die teilweise gar nicht mehr ansprechbar sind, haben plötzlich ein Lächeln im Gesicht. Das ist großartig", freut sich Siebert.
Bewohner, die nicht mehr mobil sind, besucht Peter Siebert in ihren Zimmer. "Hier geht es um individuelle Betreuung: reden, zuhören oder körperliche Zuwendung wie Massagen an Armen und Händen. Das gestalte ich je nach Bedürfnis und Tagesform."
Die berufliche Veränderung hat bei Peter Siebert ganz nebenbei auch privates Glück mit sich gebracht: Im AssiP-Kurs lernet er seine Frau kennen. Inzwischen leben die beiden zusammen und sind verheiratet. "Ich bin sehr glücklich!"

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder