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frauenORT Paula Tobias jetzt auch in Kreiensen

Ausstellungseröffnung findet große Aufmerksamkeit

Kreiensen (ozm) - Nach Bevern und Delligsen jetzt auch in Kreiensen: Seit Mitte Dezember ist auch der dritte südniedersächsische Schauplatz, an dem Paula Tobias gewirkt hat, mit in den 34. Standort der frauenORTE Niedersachsen einbezogen.

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V.l.: Sigrun Brünig (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Holzminden), Simone Engelhardt (Gleichstellungsbeauftragte Stadt Einbeck), Dr. Katja Drews (Kulturreferentin Landkreis Holzminden), Dr. Elke Heege (Museums- und Kulturamtsleitung Stadt Einbeck), Dr. Sabine Michalek (Bürgermeisterin Stadt Einbeck).

© Foto: Annette Allruth

Zu Ehren der Landärztin, die dort von 1912 bis 1917 gelebt und gearbeitet hat, wird künftig eine speziell auf diesen Lebensabschnitt ausgerichtete Version der Paula-Tobias-Ausstellung gezeigt. Ein Ereignis, dass nicht nur regional, sondern auch landesweit für große Aufmerksamkeit sorgte. Denn die Einbeziehung dreier Erinnerungsorte zu einem Gesamtprojekt ist schließlich niedersachsenweit einmalig.
In ihrem Einführungsvortrag zur Kreienser Ausstellung stellte die Kulturreferentin des Landkreises Holzminden, Dr. Katja Drews, genauer dar, was das Besondere des neuen Nebenstandortes ist. Denn schon in Kreiensen leistete Paula Tobias Außergewöhnliches. Frisch aus dem für Frauen damals noch sehr unüblichen Medizinstudium mit der Approbation entlassen, musste sie, in Kreiensen angekommen, ihren Mann Fritz in den Krieg ziehen lassen. Als einzige noch verbliebene Ärztin für die gesamte Umgebung betreute sie nicht nur die gesamte Bevölkerung, sondern gründete darüber hinaus auch noch am Eisenbahnknotenpunkt ein Lazarett.
Die Ausstellungseröffnung in Kreiensen, so Drews, offenbare, dass die frauenORTE Niedersachsen ein Geschichtsprojekt seien, an dem viele beteiligt seien, um gemeinsam Erinnerung und Wissen wieder herzustellen. Zudem sei das Projekt hier auf kenntnisreiche, für die lokale Ortsgeschichte Engagierte gestoßen. So habe etwa der Kreienser Jochen Prochnow schon für die „Stammausstellung“ in Bevern eindrückliches Bildmaterial zur Verfügung gestellt. Die Akteurinnen in Kreiensen würden auch für die Zukunft Ideenreichtum und Umsetzungsgeschick vermuten lassen, das ließen schon jetzt die in Aussicht stehenden buchbaren Ortsrundgänge vermuten.
Bereits seit 2017 wird im Kulturzentrum Weserrenaissance Schloss Bevern an die Lebensgeschichte von Paula Tobias in Form von Ausstellungen, Ortsrundgängen und Veranstaltungen erinnert. In Bevern hatten die Gleichstellungsbeauftragte und die Kulturreferentin des Landkreises Holzminden, die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsverein für Stadt und Landkreis Holzminden sowie eine ehrenamtlich Engagierte den Erinnerungsort gemeinsam mit dem Landesfrauenrat Niedersachsen entwickelt. Als biografische Grundlage dafür diente die Tatsache, dass die jüdisch-stämmige Paula Tobias von 1928 bis 1935 dort gelebt hatte, um angesichts zunehmender nationalsozialistischer Repressalien dann in die USA zu emigrieren.
Und auch in Delligsen wird mittlerweile der engagierten Landärztin gedacht. Hier lebte Paula Tobias von 1917 bis 1928 und gründete die erste Mütterberatung im Braunschweiger Land. Die Gleichstellungsbeauftragte Delligsens, Annette Allruth, hatte dort schon seit 2017 mit Veranstaltungen für den Flecken als Nebenstandort des „frauenORTEs Paula Tobias“ geworben. Mit Kreiensen sind damit alle drei Wirkungsorte der ersten Landärztin in Südniedersachsen als niedersächsische frauenORTE vereint.
Von Anfang an hatte das Gedenk- und Erinnerungsprojekt an viel Sympathie im Nachbarkreis Northeim geweckt. Die damalige Landkreis-Gleichstellungsbeauftragte und heutige Dezernentin Uljana Klein sorgte schließlich dafür, dass das Thema auch in dem heutigen Einbecker Stadtteil aufgegriffen wurde. Neben Kreiensens Ortsbürgermeister Hans-Henning Eggert fand dementsprechend auch Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek lobende Worte für die Initiative. Dank dafür verdienten laut Michalek vor allem die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Einbeck, Simone Engelhardt, sowie die Museums- und Kulturamtsleiterin Dr. Elke Heege. Die beiden hatten zusammen mit Dr. Katja Drews und der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Holzminden, Sigrun Brünig, eine speziell auf Kreiensen zugeschnittene Version der Ausstellung konzipiert. Angesichts dieses auch im Kreise der frauenORTE Niedersachsen einzigartigen Standort-Geflechts sprach deshalb auch Mechthild Schramme-Haack als Vertreterin des Landesfrauenrates ihre Anerkennung aus.
In dem Ort zwischen Selter und Hube sind künftig wohl rege Aktivitäten in Sachen frauenORT Paula Tobias zu erwarten. Die erste Sitzung des Kreienser Ortsrates im Jahr 2019 zumindest soll im neuen Ausstellungsraum stattfinden, das kündigte Ortsbürgermeister Hans-Henning Eggert an. Buchbare Ortsrundgänge entstehen nicht nur in Kreiensen, sondern auch in Delligsen. Ganz frisch erschienen ist zudem der Programmflyer „frauenORT Paula Tobias 2019“ mit Informationen und Programmen an allen Standorten (zu beziehen unter: kultur@landkreis-holzminden.de).
Nähere Informationen finden Interessierte unter www.schloss-bevern.de sowie www.frauenorte-niedersachsen.de.

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