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100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert

Frauen in die Politik

Von Barbara Siebrecht
Höxter – Zu einem Vortrag über die Geschichte des Wahlrechts für Frauen mit anschließendem Meinungsaustausch beim Frühstück lud der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Höxter ein.

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Gaby Böker, Vertreterin des Arbeitskreises der Gleichstellungsbeauftragten (rechts) bedankte sich bei Historikerin Dr. Kerstin Wolff

© Foto: Siebrecht

Über 100 Frauen folgten der Einladung und feierten gemeinsam die mutigen Frauen, die ihr demokratisches Recht erstritten, das wir heute ganz selbstverständlich in freien, gleichen und geheimen Wahlen ausüben können.
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ heißt es uneingeschränkt im Artikel 3 des Grundgesetzes, das 1949 formuliert und verabschiedet wurde. Erstmals in der Geschichte waren Frauen den Männern rechtlich uneingeschränkt gleichgestellt. Allerdings musste erst nach und nach das wesentlich ältere Bürgerliche Gesetzbuch an diese Neuerung angepasst werden. Dieser Prozess der tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter dauert bis heute an.
In ihrem kurzweiligen Vortrag informiert Dr. Kerstin Wolff über die Anfänge der Frauenbewegung und die (nur) vier Frauen im Parlamentarischen Rat aus 65 Stimmberechtigten, die an der Formulierung des Grundgesetzes beteiligt waren. Zu den „Müttern des Grundgesetzes“ konnten die Frauen auch eine Ausstellung im Veranstaltungsraum betrachten. Poetess´Play (Franziska Pilz) rahmte die Veranstaltung musikalisch ein.

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Mentoren und ihre Schützlinge(v. l.) Anna-Maria Rose (Dalhausen) Beate Rehker (Stahle), Nadine Nolte (Erbentrup), Sabine Schonlau (Höxter), Walburga Neu (Brakel), Martina Denkner (Bad Driburg).

© Foto: Siebrecht


Schon zu den Anfängen der Demokratie in Deutschland erhoben Frauen wie Luise Otto-Peter, die als Begründerin der deutschen Frauenbewegung gilt, ihre Stimme zur Zeit der Deutschen Revolution. Die erste Frauenzeitschrift wurde 1848 gegründet. Dr. Kerstin Wolff, die Forschungsleiterin im Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel ist, zitierte Luise Otto-Peter „Wohlauf denn meine Schwestern (…) wir wollen unseren Teil fordern (…) das Recht der Mündigkeit im Staat“. Die Streiterinnen für die Gleichstellung hatten es schwer, denn Vorurteile der Männer und das Vereinsrecht standen ihnen im Weg. Politische Vereine, in denen mehr als drei Frauen Mitglied waren, wurden aufgelöst. Erst seit 1908 können Frauen Mitglied einer politischen Partei werden und über lange Zeit war die SPD die einzige Partei, die sich für die Rechte der Arbeiterinnen einsetzte.
Die Referentin berichtete über Hedwig Dohm, Schriftstellerin des Satireblattes „Kladderadatsch“ die auch heute noch lesenswert sei und Auguste Schmidt, die den ersten Frauenverein als Dachverband im liberaleren Hamburg gründete. Zu Ende ihres Vortrages forderte die Historikerin den Internationalen Frauentag (8. März) politisch zu schärfen und ein Gesetz zu formulieren, das die Gleiche Anzahl von Politikerinnen und Politikern auf den Wahllisten festschreibt. Gleichstellung sei kein Automatismus sondern müsse erstritten werden, meinte sie und forderte auf, dem Beispiel Frankreichs zu folgen, das bei der Kommunalwahl einen Frauenanteil von 48 Prozent erreicht hätten. Im Kreis Höxter liegt der Anteil der Politikerinnen im Kreistag bei 14 Prozent in manchen Kommunalparlamenten unter 10 Prozent. Im Bundestag ist der Frauenanteil mit 30,6 Prozent auf einem Stand von vor 20 Jahren gesunken. Jetzt sei die Zeit günstig, denn es werde an einer Reform des Wahlgesetzes gearbeitet, meinte Wolff. „Ich denke es ist an der Zeit (…), dass Deutschland auch ein Parité-Gesetz bekommt. Wenn wir nicht anfangen, wüsste ich nicht, wer es sonst machen könnte“, forderte die Historikerin.

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Die Historikerin Dr. Kerstin Wolff aus Kassel hielt einen interessanten Rückblick auf 100 Jahre Frauenwahlrecht.

© Foto: Siebrecht


Das Mentorenprogramm:
In Zusammenarbeit mit dem Helene Weber Kolleg und den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten nahmen 9 junge Frauen aus dem Kreis Höxter am Mentoren-Programm teil und ließen sich von Mentorinnen begleiten und einen Einblick geben, wie politische Arbeit funktioniert. Die jungen Frauen wollten für sich herausfinden, wie sich ehrenamtliches, politisches Engagement mit Beruf und Familie verbinden ließe. Sie mussten -wie auch ihre Mentorinnen - feststellen, dass es manchmal schon an frühen Sitzungszeiten scheitern würde, die ohne Kinderbetreuung nicht wahrzunehmen sind. Die Frauen nahmen mit OWL-weit 35 Frauen an Seminaren teil und haben zum Teil ihren Weg in die aktive politische Beteiligung gefunden.

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