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Zukunft der Ausbildung

Länderübergreifende Qualifizierungsnetzwerk

Holzminden (ozv) - Ausbildung zeitgemäß gestalten. Vor dieser Herausforderung stehen dieser Tage viele Unternehmer. Der Kampf um die angehenden Nachwuchsfachkräfte ist groß. Insbesondere im ländlichen Raum gibt es immer mehr unbesetzte Ausbildungsstellen.

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Rund 60 Teilnehmer beim Kick-Off-Event des Qualifizierungsnetzwerkes in der Georg-von-Langen-Schule in Holzminden.

© Foto: Innovationsnetzwerk Höxter-Holzminden

Die Anzahl an Jugendlichen, die eine Ausbildung machen, wird gleichzeitig immer kleiner. Das liegt zum einen am demographischen Wandel und der Abwanderung von jungen Menschen in urbane Zentren, zum anderen an der zunehmenden Akademisierung. Die Unternehmen müssen immer häufiger Zielgruppen ansprechen, die bisher für sie uninteressant gewesen sind.
Was können Unternehmen tun, um mit diesen Bedingungen zurecht zu kommen? Mit dieser Frage haben sich in einem einjährigen Entwicklungsprozess die Wirtschaftsvereine Wirtschaftsinitiative im Kreis Höxter e.V. und der Weserpulsar e.V. gemeinsam mit dem Innovationsnetzwerk Holzminden-Höxter beschäftigt und ein Konzept zur Unterstützung der Unternehmen in der Ausbildung entwickelt. Ergebnis ist das länderübergreifende Qualifizierungsnetzwerk Höxter-Holzminden für Jugendliche und Geflüchtete. Das Qualifizierungsnetzwerk bietet gemeinsam mit den Kooperationspartnern (Georg-von-Langen-Schule Holzminden, Berufskolleg Kreis Höxter und den Volkshochschulen Höxter-Marienmünster und Holzminden) ortsnahe Qualifizierungen für Auszubildende und Geflüchtete an. Die Bandbreite erstreckt sich von allgemeinbildenden und fachtheoretischen Kursen über fachpraktische Angebote bis hin zu branchenspezifischen Sprachkursen.
Eine betriebsfreundliche Umsetzung von Qualifizierungen steht im Vordergrund. Unternehmen haben einen direkten Ansprechpartner, der sie dabei unterstützt mit wenig Aufwand das passende Angebot zu finden. Besteht z.B. Interesse an einem Schweißkurs, kann der Qualifizierungskoordinator Dr. Döring kontaktiert werden. Er nimmt den konkreten Bedarf auf und koordiniert einen Kurs mit einer qualifizierten Lehrkraft. Außerdem wird mit Hilfe der schon bestehenden Netzwerke eine entsprechende Anzahl an Teilnehmern gesucht. Um die Kosten und Fahrtzeiten gering zu halten und es optimal in den betrieblichen Ablauf einzubinden, werden die Kurszeiten möglichst präzise an die Ansprüche der Betriebe angepasst. Inhaltlich wird das gelehrt, was für den Betrieb relevant ist. Kleine Kurse ermöglichen eine individuelle Betreuung jedes Teilnehmers.
Zum Kick-Off-Event des Qualifizierungsnetzwerkes beteiligten sich in der Georg-von-Langen-Schule in Holzminden rund 60 Teilnehmer aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik.
„Wir freuen uns sehr über die gute Beteiligung seitens der Unternehmen aus Höxter und Holzminden. Vertreter der unterschiedlichsten Branchen und Betriebsgrößen sind anwesend (u.a. Spier Fahrzeugbau, Symrise, Tesium, Stiebel Eltron, Autohaus Beineke, Noelle + von Campe, Bäckerei Engel, Rathmann Elektrobau uvm.). Das zeigt uns, dass wir mit unserem Projekt einen Schritt in die richtige Richtung gehen“, berichtet Mark Becker, Projektleiter und Vorstandsmitglieder der WIH.
Im Fokus der Wirtschaftsvereine steht auf die unmittelbaren Bedarfe ihrer Mitglieder einzugehen. Um dieser Aufgabe entsprechend nachzukommen, konnte mit Hilfe der finanziellen Unterstützung des Modellprojektes Land(auf)Schwung ein Qualifizierungskoordinator eingestellt werden. Dr. Ottmar Döring hat diese Position bereits eingenommen und steht zukünftig für Fragen zur Verfügung.
Der Impulsvortrag von Professor Rolf Granow, ehemaliger Geschäftsführer der oncampus GmbH, zum Thema „Vom digitalen Lernen zum Lernen in einer digitalen Gesellschaft – Herausforderungen und Chancen lebenslangen Lernens auch jenseits der Metropolen“ gab Anstoß für interessante Diskussion im anschließenden World-Café. Unternehmen, Personaler und Ausbilder konnten in diesem Rahmen ihre konkreten Erwartungen an das Qualifizierungsnetzwerk formulieren. Gegenstand der Diskussionen waren sowohl die konkrete inhaltliche Ausgestaltung, als auch die organisatorischen Rahmenbedingungen. Sie spielen eine nicht unwesentliche Rolle, denn Fahrtwege, Kosten und mangelnde Transparenz hindern Unternehmen an der Wahrnehmung von Qualifizierungen. Vor dem Hintergrund mangelnder Mobilität und der Unabhängigkeit von Zeit waren Angebote im E-Learning Segment eines der Gesprächsthemen.
Die Möglichkeit fachpraktische Kurse an den Berufsbildenden Schulen wahrzunehmen wurde speziell von gewerblich technischen Unternehmen nachgefragt. Die bisher durchgeführten Kurse wurden vor allem im Hinblick auf die Praxisnähe und der Integration in den betrieblichen Alltag als positiv bewertet. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem World-Café werden in die weitere Arbeit einfließen.
Zum Abschluss stellte Carl-Otto Künnecke, stellvertretender Projektleiter und Vorsitzender des Weserpulsar e.V. das weitere Vorgehen vor: „ Um das Projekt möglichst nachfrageorientiert umzusetzen, werden wir zeitnah direkt in die Unternehmen gehen und in einer qualitativen Befragung Bedarfe ermitteln.“
Weitere Informationen finden Sie unter www.weserallianz.de.

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