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„LEADER-Zukunftswerkstätten Ländlicher Raum“

Pfiffige Ideen für mehr Lust aufs Land

Kreis Höxter (ozm) - Dorfkino in Vörden, Gymnastikgruppe für Männer in Daseburg, Begegnungs- und Bewegungspark in Kollerbeck oder ein möglicher Dorfladen in Welda: Das sind nur einige von insgesamt 40 Ideen, welche die „Zukunftswerkstätten Ländlicher Raum“ der katholischen Landvolkshochschule Hardehausen gemeinsam mit Bürgern vieler Ortschaften auf den Weg bringen.

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Die beiden Mitarbeiter Bernhard Eder und Stephan Kreye, die das LEADER geförderte Projekt bis Ende 2021 leiten.

© Foto: Frank Grawe

„Unser Projekt, das Dorfleben zukunftsfähiger zu machen, hat in den vergangenen Jahren richtig an Fahrt aufgenommen“, freut sich Bernhard Eder von der Landvolkshochschule Hardehausen, der gemeinsam mit seinem Kollegen Stephan Kreye das von LEADER geförderte Projekt der „Zukunftswerkstätten“ leitet.
18 Dörfer aus den Kommunen Warburg, Marienmünster, Beverungen und Nieheim beteiligen sich inzwischen an dieser Ideenschmiede, die davon lebt, dass die Menschen ehrenamtlich vor Ort konkret etwas tun wollen, um ihr Wohn- und Lebensumfeld angesichts des demografischen Wandels und der Folgen attraktiver und interessanter zu machen.
„Unsere Aufgabe besteht nicht darin, den Dorfbewohnern irgendwelche Konzepte aufs Auge drücken oder überzustülpen, sondern Ideen und Möglichkeiten in ihrer Umsetzung fachlich und methodisch zu begleiten“, erläutert der für das Projekt eingestellte Referent Bernhard Eder. Bei den „Zukunftswerkstätten“ werde in allen Altersgruppen intensiv mit Feuereifer diskutiert. Trotz der infrastrukturellen Defizite, unter denen viele Dörfer leiden, befänden sich die Bewohner nicht im Zustand einer „Problemtrance“, sondern seien mit Elan und Leidenschaft dabei, etwas verändern zu wollen, sagt Eder, die einzelnen Dörfer betreut.
Der konkreten Ideenschmiede voran gegangen war in jedem Ort eine Fragenbogenaktion, welche Themen wie Infrastruktur, Nahversorgung, Freizeit, Sport und Kultur sowie ehrenamtliches Engagement in den einzelnen Dörfern aufgriff. Die daraus folgende Schwächen-Stärken-Analyse machte das Potential der einzelnen Dörfer deutlich. Bei den weiteren Info-Veranstaltungen stellte sich dann heraus, wie viele Menschen unterschiedlichen Alters sich für Innovationen in den Orten interessieren und sich bereit erklärten, diese aktiv mitgestalten zu wollen. „Darunter auch viele, die sich bislang nicht ehrenamtlich engagiert haben, eigentlich selten bei der Dorfgemeinschaft zu sehen sind und sogar welche, die neu ins Dorf zugezogen sind“, haben die beiden Projektleiter die Erfahrung gemacht.
Und das bedeute auch, dass nicht mehr nur die Vereine in den Dörfern das „Geselligkeitsmonopol“ haben. „Die Realität sieht inzwischen anders aus“, erklärt Bernhard Eder. Denn die Dörfer seien vielfältiger, pluralistischer geworden. Es haben sich in den letzten Jahren neue Initiativen und Strukturen des Miteinanders entwickelt, welche die Innovationsprozesse in den Dörfern auch gut voranbringen.
Die „Wunschliste“ der einzelnen Dörfer umfasst natürlich auch Ideen zur Verbesserung der Infrastruktur: Dazu gehören häufig nicht-kommerzielle Treffpunkte und Begegnungsstätten, schönere Gestaltung der Grünanlagen im öffentlichen Raum, bessere Nahversorgung durch einen Dorfladen, Fahrgemeinschaften für Einkaufsbummel und nachhaltige Integration der Neuzugezogenen. Stets geht es darum, die Dörfer attraktiver zu machen: Die Ortschaft Bredenborn hat beispielsweise vor, das Gebiet der Quellen im „Bangern“ zum Naherholungsbereich auszubauen und möglicherweise einen Sinnespfad anzulegen. Mit wechselnden Themen will Wormeln eine Bildungs- und Begegnungsreihe mit Leben füllen. Auftakt ist ein Erlebnisbericht im November über eine Wandertour von Bayern nach Südtirol, kulinarisch umrahmt mit Südtiroler Spezialitäten.
Gemeinsam mit den Akteuren der Dörfer wollen Bernhard Eder und Stephan Kreye den Projektideen den Weg ebnen, um sie künftig konkret werden zu lassen. „Ich gebe völlige Entwarnung im Hinblick auf ein mögliches Dorfsterben“, blickt Bernhard Eder positiv in die Zukunft. „In der Region sind so viel Einsatzbereitschaft und Engagement sowie lebendige Initiativen zu finden, die Heimatorte aufzuwerten, da sehe ich bislang kein Dorf, welches aufgeben würde.“
In dem Projekt „Zukunftswerkstätten“ soll in den nächsten zwei Jahren ein Netzwerk für ehrenamtliches Engagement im Kreis Höxter entstehen, damit sich die einzelnen Orte untereinander in ihren Erfahrungen austauschen können. „Allerdings wird es kein Netzwerk für ehrenamtliches Engagement im allgemeinen Sinne sein“, so Bernhard Eder und ergänzt: „Gedacht ist eher an eine Art Think Tank der Dorfentwicklung, etwa durch Vernetzung von Dorf-Coaches“.
Weitere Infos unter www.lvh-hardehausen.de und www.leader-in-hx.eu.

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