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Ausbildungsprojekt des Bildungszentrums Weser-Egge

Schüler leiten chirurgische Stationen

Bad Driburg/Höxter (ozm) - Patienten betreuen, Dienstpläne schreiben, Leitungsrunden organisieren und im Schichtsystem arbeiten: Dieser Aufgabe haben sich 45 Auszubildende des Bildungszentrums Weser-Egge der KHWE gestellt. Die jungen Frauen und Männer haben das Ruder auf den chirurgischen Stationen im St. Josef Hospital und im St. Ansgar Krankenhaus übernommen – und das trotz der besonderen Corona-Situation.

Als Diana Hoffmann an diesem Morgen pünktlich um 6 Uhr zur Arbeit erscheint, heißt es: "Jetzt übernehmen wir!" Zunächst kümmert sie sich um das Erstellen der Schichtpläne und darum, welcher Patient an diesem Tag von welchem Kollegen betreut wird. "Auf einer Station gibt es täglich viel zu organisieren", sagt die junge Frau selbstbewusst. Von der Auszubildenden zur Chefin, heißt es für die 22-Jährige aus Höxter, die von ihren Mitschülern für insgesamt fünf Wochen zur Bereichsleitung der chirurgischen Station im St. Josef Hospital gewählt wurde. Sie organisiert die Dienstpläne und strukturiert den Alltag auf der Station. Für ihre Kollegen ist Hoffmann die erste Ansprechpartnerin vor Ort. Hakt es an einer Stelle, kümmert sie sich. Und sie wächst mit ihren Aufgaben. "Manchmal ist es gut, ins kalte Wasser geschmissen zu werden", gibt sie zu.
Für ihren Kollegen Michael Willkens – im St. Ansgar Krankenhaus zur Bereichsleitung gewählt – ist dieses Projekt für jeden Auszubildenden zum Gesundheits- und Krankenpfleger "ein absolutes Muss". "Für dieses Projekt darf der Schüler ausnahmsweise direkt in der ersten Reihe stehen", sagt der 34-Jährige aus Brakel. Willkens: "Damit sind wir nicht nur viel näher am Patienten, sondern werden auch ganz anders gefordert."
"Aufgrund der geltenden Corona-Schutzverordnung, die von den Schülern selbstredend penibel eingehalten wurde, hatten wir keinerlei Bedenken, das Projekt 'Schüler leiten eine Station' auch während der Corona-Pandemie stattfinden zu lassen", sagt Ute Pägel, Leiterin des Bildungszentrums Weser-Egge.
Die Auszubildenden stehen kurz vor ihrem Examen und erhalten damit die Möglichkeit, die Praxis hautnah zu erleben. "Unsere Schüler sollen lernen, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten", sagt Pägel über das Projekt "Schüler leiten eine Station". Am Tagesablauf der Klinik wie beispielsweise Untersuchungen, Pflege und Therapiemaßnahmen ändert sich nichts. Ute Pägel: "Die gültigen Pflege-, Organisations- und Sicherheitsstandards sind und bleiben verbindlich."
Dafür sorgen auch die beiden Teamleitungen Karin Henke und Michaela Grebe sowie speziell ausgebildete Praxisanleiter. Sie haben jederzeit ein Auge auf ihre Sprösslinge. "Wir akzeptieren die getroffenen Entscheidungen und bisher haben wir kein einziges Mal eingreifen müssen", sagt Henke, die betont, dass sie auch von den Patienten ausschließlich positives Feedback erhält.
Auch Dr. Florian Dietl, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter des Adipositaszentrums am St. Josef-Hospital Bad Driburg, ist stolz auf den jungen Nachwuchs und den potentiellen Mitarbeiter von Morgen. "Die Zusammenarbeit untereinander funktioniert gut und harmonisch", sagt er, "und unsere Patienten haben keinerlei Nachteile dadurch. Im Gegenteil, pro Schicht werden doppelt so viele Schüler als Pflegekräfte im normalen Ablauf eingesetzt."
Seinen Angaben zufolge liegt die durchschnittliche Liegedauer der Patienten bei 4,3 Tagen – für die Schüler ist das eine besondere Herausforderung. Dr. Dietl: "Sie müssen sich sehr schnell mit immer neuen Patienten und ihren Erkrankungen vertraut machen."
Auf die Schüler, die im St. Josef Hospital in Bad Driburg eingesetzt wurden, wartete eine besondere Herausforderung: Ursprünglich wurden sie von den Lehrkräften auf die Stationsarbeit für Innere Medizin am Helios Klinikum Warburg vorbereitet. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation wurde das Projekt in Warburg abgesagt – demnach hatten die Schüler nur wenige Tage Zeit, sich in das chirurgische Fachgebiet einzuarbeiten. "Aber auch das haben wir gut gemeistert", zieht Schülerin und "Bereichsleitung auf Zeit" Diana Hoffmann ein positives Fazit.
Auch Prof. Dr. Joachim Mellert, Chefarzt für Allgemein und Viszeralchirurgie, und Kai-Andreas Träger, Chefarzt für Gefäßchirurgie, bescheinigen den Auszubildenden ein sehr hohes theoretisches Wissen. "Wir sind äußerst zufrieden mit den Leistungen der Schüler im stationären Alltag", sagt Prof. Dr. Mellert und lobt das Projekt "Schüler leiten eine Station", das in diesem Jahr erstmals am St. Ansgar Krankenhaus in Höxter angeboten wurde.
Für Ute Pägel dient dieses Projekt maßgeblich dazu, die KHWE als attraktiven Arbeitgeber kennenzulernen. "Viele Schüler möchten nach diesem Projekt und nach ihrer Ausbildung auf der Station arbeiten, auf der sie im Einsatz waren. Dieses Bestreben haben wir auch jetzt wieder", sagt sie, "und ich bin mir sicher, dass wir das in diesem Jahr auch wieder geschafft haben."

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