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Erste erfolgreiche Präventionsrallye

Schwanger mit 16…..und dann?

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Die Teilnehmer der Präventionsrallye Holzminden.

© Foto: privat

Holzminden (ozm) - „Kim, 16 Jahre alt, hat die Nachricht vom Frauenarzt bekommen, dass sie schwanger ist. Bisher hatte sie die Befürchtungen verdrängt, jetzt ist es aber offensichtlich. Sie weiß nicht, wie sie es ihren Eltern beibringen soll und was nun auf sie zukommt. Sie ist noch Schülerin und der Vater des werdenden Kindes war ein One-Night-Stand. Sie fühlt sich total überfordert mit der Situation und hat auch ohne Schwangerschaft schon große Probleme mit den Eltern. Diese haben schon öfter gedroht sie aus der Wohnung zu werfen, wenn sie wieder „Mist baut“. Sie macht sich große Sorgen, was jetzt passiert und wie sie ohne Geld und Unterstützung klar kommen soll.“
Dies ist einer der Fälle, mit dem sich vor kurzem Schülerinnen und Schüler der achten Klassen der Johannes-Falk-Schule in Holzminden beschäftigt haben. Im Rahmen der ersten Präventionsrallye im Landkreis Holzminden suchten sie 12 Beratungseinrichtungen und Fachdienste im Stadtgebiet auf. Dazu gehörten: Kreisvolkshochschule Holzminden Pro-Aktiv-Center, Projekt Begegnung/Ambulante Maßnahmen, Amtsgericht Holzminden, Jugendgerichtshilfe, Suchtberatungsstelle/ Mobile Jugendarbeit der STEP, Caritas, Familienrat, Erziehungsberatungsstelle, Pro Familia und die Polizei.
Im Familienzentrum Drehscheibe fanden morgens die Gruppen (max. 7 Schüler/Innen) zusammen und lernten ihre Teamer, darunter auch Ehrenamtliche, kennen. Ein Jugendlicher schlüpfte in die Rolle eines Betroffenen, ein Anderer wurde zum Reporter und dokumentierte das Geschehen. So konnten sie anhand ihres Fallbeispiels erfahren, wie sich die Arbeit in den sozialen Einrichtungen, bei Gericht oder der Polizei darstellt und wer die Ansprechpartner in den jeweiligen Institutionen sind.
Sylke Hennigfeld, Pro-Aktiv-Center der Kreisvolkshochschule Holzminden, und Nicolas Schnipkoweit, Mobile Jugendarbeit der STEP, konnten im Laufe der Jahre ihrer Arbeit in der Jugendberufshilfe feststellen, dass die Jugendlichen sehr abstrakte Vorstellungen davon haben, was in den jeweiligen Beratungsstellen und Fachdiensten passiert. Gemeinsam übernahmen sie das Konzept der Präventionsrallye aus Hameln und passten dies für den Landkreis Holzminden an. Sie suchten Kontakt zu den unterschiedlichen Einrichtungen und übernahmen gemeinsam mit den Schulsozialarbeiterinnen der Johannes-Falk-Schule Holzminden, Constanze Siems und Kerstin Ahlbrecht, die Organisation.
Besonders beeindruckend war für die Jugendlichen das Amtsgericht Holzminden. Im Vorflur des großen Verhandlungssaales erfolgte bereits der Aufruf zur Verhandlung von Klaus N.. Als sie den Saal betraten, wurden die Schülerinnen und Schüler in Robe empfangen und der „Fall Klaus“ wurde sehr realistisch „verhandelt“. Unter dem Pavillon der Tafel Holzminden konnten die Jugendlichen während der Präventionsrallye an der „Sonderbar“ der Mobilen Jugendarbeit eine kleine Pause mit Tee, Wasser und Obst einlegen und sich untereinander austauschen.
Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler, Teamer und aller beteiligten Einrichtungen zum Projekt waren sehr positiv. Präventionsarbeit „zum Anfassen“ und „Begreifen“ scheint ein guter Weg zu sein, um Interesse zu wecken. Sylke Hennigfeld und Nicolas Schnipkoweit sind mit dem ersten Durchlauf der Präventionsrallye sehr zufrieden. Alle Einrichtungen zeigten großes Interesse daran, sich einzubringen und auch die Bereitschaft, dies zu wiederholen. Weitere interessierte Einrichtungen wollen sich bei einer Wiederholung anschließen. Einer Fortsetzung der Präventionsrallye im Landkreis Holzminden steht daher nichts im Wege.

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