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Bundeswehr hilft im St. Antonius Seniorenhaus

Soldaten unterstützen Pflegepersonal in der Not

Brakel (ozm) - Für Jonas Bremm ist es selbstverständlich, immer dann vor Ort zu sein, wenn Menschen in Not um Hilfe rufen. "Das bringt natürlich auch mein Job mit sich", sagt der 26-Jährige, während er sich die Schutzkleidung über die Uniform anlegt und seinen Arbeitsplatz für den Tag vorbereitet. Er ist einer von drei Bundeswehr-Soldaten des in Höxter stationierten ABC-Abwehrbataillons, der die Pflegefachkräfte im St. Antonius Seniorenhaus der KHWE bei der Durchführung von Schnelltests unterstützt.

Dass seine Hilfe in dem Seniorenhaus mit knapp 100 Bewohnern dringend gebraucht wird, erfuhr Jonas Bremm etwa eine Woche vorher. "Es ging alles ziemlich schnell", sagt der 26-Jährige, der in der 1. Kompanie seiner Einheit für den logistischen Bereich zuständig ist, "aber ich wusste, was auf mich zukommen wird. Meine Mutter arbeitet auch in der Pflege." Er weiß um die starken Arbeitsbelastungen, denen die Pflegefachkräfte derzeit vor allem wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt sind.
Mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sowie zahlreichen Bildern und Videos wurde Jonas Bremm zunächst in einer Online-Schulung Schritt für Schritt an die Bedienung der Schnelltests herangeführt. Mit Erfolg. Kleine Unsicherheiten wurden dem jungen Bundeswehr-Soldaten, der gebürtig aus Bonn stammt und seit vier Jahren an der Weser in Höxter stationiert ist, direkt genommen. "Ganz so einfach war es nicht, es braucht schon ein wenig Übung", sagte Bremm. Dennoch fühlt er sich für diesen Job auf Zeit und für diese ungewöhnliche Herausforderung gut vorbereitet.
An seinen ersten Arbeitstag erinnert sich der 26-Jährige noch gerne zurück. "Sowohl die Einrichtungsleitung als auch die Mitarbeiter des Hauses haben uns mit offenen Armen empfangen", sagt er. Nach einer praktischen Einweisung von Mitgliedern des
DRK zum richtigen Handling der Schnelltests konnte es dann endlich losgehen, die ersten Mitarbeiter und Besucher der Einrichtung wurden getestet. Jonas Bremm: "Wir waren sofort ein Teil dieser Gemeinschaft. Dass wir in Uniform das Haus betreten, war und ist für niemanden ein Problem." Im Gegenteil.
Für Einrichtungsleiterin Beatrix Wottke ist die Unterstützung der beiden Soldaten ein Segen. "Damit werden meine Mitarbeiter nicht noch zusätzlich mit weiterer Arbeit belastet", sagt Wottke. Nach einem größeren Corona-Ausbruch in der Einrichtung in Brakel, von dem auch Mitarbeiter betroffen waren und in der Folge als Arbeitskraft ausfielen, kann sie jede helfende Hand gebrauchen – vor allen bei den Schnelltests. Sowohl die Bewohner als auch die Mitarbeiter und Besucher müssen regelmäßig getestet werden. Wottke: "Die Soldaten werden jedoch nur bei der Durchführung der Schnelltests bei Besuchern und Mitarbeitern eingesetzt. Unsere Bewohner werden weiterhin von meinen Mitarbeitern getestet. Vor allem für die an Demenz erkrankten Senioren sind ihnen vertraute Personen besonders wichtig", so Wottke.
Auch für Jonas Bremms Kameraden Thorsten Diekmann stand von Beginn an fest, die Pflegefachkräfte vor Ort zu unterstützen. "Wenn ich helfen kann, helfe ich – ohne wenn und aber", sagt der 34-Jährige, der seit mehr als zehn Jahren bei der Bundeswehr in Höxter stationiert ist. Schnell waren Diekmann und Bremm, die im Zwei-Schicht-System arbeiteten, ein eingespieltes Team. Trotz der immer gleich auszuführenden Tätigkeit, sind die Soldaten Teil eines großen Ganzen. Auch von Seiten der Politik war es ein erklärtes Ziel, die älteren Menschen in den Seniorenhäusern mit tatkräftiger Unterstützung zu schützen – auch diejenigen im ländlichen Kreis Höxter.
"Natürlich haben wir eine gewisse Verantwortung und es wird von uns erwartet, dass wir die Arbeit gewissenhaft erledigen", sagt Thorsten Diekmann, während eine weitere Mitarbeiterin den extra für die Schnelltests umgebauten Raum betritt. Sie begrüßt die beiden Soldaten herzlich, desinfiziert sich die Hände, misst mit einem an der Wand befestigtem und kontaktlosem Fieberthermometer ihre Körpertemperatur, füllt ein Formular aus und schon kann es losgehen. "Fangen wir heute mit der Nase an?", fragt Diekmann die Kollegin, die er nicht zum ersten Mal testen muss und führt das Teststäbchen erst in die Nase und dann in den Rachen ein. Für beide Seiten ist diese Prozedur bereits zur Routine geworden. Nach knapp 15 Minuten liegt das Test-Ergebnis vor. Negativ. Zum Glück.
Neben der Einrichtungsleitung ist auch KHWE-Geschäftsführer Christian Jostes dankbar für die Unterstützung der Soldaten. "Wir erfahren in diesen Tagen viel Wertschätzung und Hilfe aus den verschiedensten Bereichen", sagt Jostes. Schüler spenden ihr übrig gebliebenes Geld einer Klassenfahrt für therapeutische Handpuppen, Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst überlassen den Mitarbeitern ihre Corona-Spende, Soldaten greifen Pflegefachkräften unter die Arme und vieles mehr. Jostes: "Ein schönes Zeichen dafür, dass in Zeiten wie diesen alle Menschen zusammenhalten."
Wer Jonas Bremm und Thorsten Diekmann bei der Arbeit beobachtet, kann dies auch spüren – und dass sich die Mitarbeiter, die sich regelmäßig von ihnen testen lassen, gleichermaßen wohlfühlen. Das Schönste, was die beiden jungen Männer im Seniorenhaus St. Antonius erlebt haben? "Als wir vor dem Haus unterwegs waren, wurden wir von mehreren Bewohnern der Einrichtung angesprochen und begrüßt mit den Worten 'Schön und Danke, dass Sie da sind'. Das war ein toller Moment, der uns darin bestärkte, dass wir genau an der richtigen Stelle helfen", ist Diekmann überzeugt. Sein größter Wunsch? "Dass wir die Pandemie gemeinsam meistern können."

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