Bürgerinitiative gründet neue Arbeitsgruppe

Unsicherer Untergrund unter geplantem Atommülllager?

Von Barbara Siebrecht
Herstelle – Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal e. V.“ wurde vor über 30 Jahre gegründet und verhinderte eine geplante Giftmülldeponie. Heute gehören ihr noch 900 Mitglieder an. „Jetzt werden wir das riesige Atommüllzwischenlager in Würgassen verhindern“, schrieb die neu gegründete Arbeitsgruppe der Bi Bördeland in ihrer Presseerklärung.

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Mitglieder der Bürgerinitiative Bördeland (v. l.): Heinrich Wenisch, Hubertus Hartmann, Josef Jacobi, Edith Götz, Prof. Dr. Dr. Martin Hörning und Rainer Mues stellten den neuen Arbeitskreis vor.

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Auf der Burg Herstelle, mit Blick auf das Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks Würgassen, stellte die Bürgerinitiative Bördeland Mitglieder des neuen Arbeitskreises vor. Einige ehemalige Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck e.V. haben sich der BI Bördeland angeschlossen und wollen sich in den Widerstand gegen das sogenannte Bereitstellungslager mit einem eigenen Arbeitskreis einbringen und ihre erfolgreiche Arbeit nun bei der BI Bördeland fortsetzen. Dies soll ein weiterer Schritt sein, um sich regional und inhaltlich noch besser aufzustellen und eine breitere Basis des Protests zu schaffen.
Josef Jacobi erläuterte, dass die BI Bördeland bisher weitgehend im Südkreis aktiv war. „Wir sind aber auch betroffen und sehen es als unsere Aufgabe an, es auch zum Thema zu machen, wir werden uns mit allem was uns zur Verfügung steht, dagegen stellen“, meinte er kämpferisch und erinnerte an den Widerstand der streitbaren Sachsen dieser Region seinerzeit gegen Karl den Großen.
Prof. Dr. Dr. Martin Hörning prangerte das nach Meinung der Bürgerinitiative Bördeland „schwachbrüstige“ Bodengutachten der BGZ (Gesellschaft für Zwischenlagerung) an. Die BI Bördeland beruft sich dabei auf eine Stellungnahme des unabhängigen Geologen und amtlich bestellten Sachverständigen Dr. Claus Schubert, der seine Einschätzung des Bodengutachtens darstellte.
Zunächst verwies Schubert auf den Begriff des Logistiklagers, der seiner Ansicht nach bemäntelnd gebraucht wird. Richtigerweise solle man von einem Zwischenlager sprechen, für das aber schärfere Prüfungen des Untergrundes nach der TA Abfall angezeigt seien. Die TA Abfall bezeichnete die allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Abfallgesetz mit dem Ziel einer umweltverträglichen Entsorgung von Sonderabfall. Schubert erläuterte, dass die Bohrungen im Rahmen des Baugrundgutachtens maximal 10 Meter tief durchführt wurden und abschließend keine unbeherrschbaren Risiken durch die Bodenbeschaffenheit festgestellt wurden. Seiner Fachmeinung nach ist das Gutachten aber nicht ausreichend, denn in der Region gäbe es Salzstöcke, die ja auch für die Therme in Bad Karlshafen genutzt würden. Salzgestein sei aber genauso wie Gipsgestein wasserlöslich und es sei möglich, dass sich in großer Tiefe auch unter dem Gebiet des geplanten Zwischenlagers Hohlräume befinden, die eine Erdfall auslösen könnten. „Ich weiß, dass das Risiko da ist, auch in Amelunxen und Trendelburg sind Erdfälle bekannt“, erklärte Schubert und bezog sich dabei unter anderem auf den Trockenen und den Nassen Wolkenbruch. Die Wahrscheinlichkeit eines Erdfalls bezeichnete Schubert als gering, sollte es jedoch dazu kommen, könnte das Gebäude oder Teile davon in die Tiefe gerissen werden.
Um das Risiko von Erdfällen, die plötzlich auftreten und verheerendes Ausmaß haben könnten, auszuschließen, müssten Bohrungen bis in eine Tiefe von 900 Meter durchgeführt werden. Diese Bohrungen müssten durch weitere Messungen mit Methoden der Geometrie und der Geoelektrik in der Fläche ergänzt werden. Schubert forderte die BGZ auf, sich diesem Baugrundrisiko zu widmen, ein Sondermülllager dürfe nicht an einem Standort mit der Gefahr von Erdfällen gebaut werden. Die BGZ hat auf Untersuchungen zur Vorbereitung des Kraftwerkstandortes verwiesen. „Diese Gutachten entsprechen nicht den Regeln der Technik“, meinte Schubert.
Rainer Mues erklärte abschließend: „Die Entscheidungen der BGZ haben keine Faktengrundlage, die Festlegung auf den Standort Würgassen ist Verschwendung von Steuergeld, die Behörde hat sich vom Bürgerauftrag verabschiedet, die Verantwortlichen müssen ihren Hut nehmen.“